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  • Ines Balcik

Der Geist des Wettkampfs

Letzte Nacht schreckte ich aus dem Schlaf auf. Ich hatte geträumt, dass mich eine alte Frau vor einem Geist warnte. Erst behauptete ich, ihn nicht zu sehen, und erwachte dann mit einem Schreckensschrei.

Beim Morgenlauf sortierten sich meine Gedanken. Seit einem Jahr treibt mich der Geist des Wettkampfs um, besser gesagt sein Fehlen. Wettkämpfe für Amateure gibt es kaum noch. Die letzte Laufveranstaltung und der letzte Schwimmwettbewerb, an denen ich teilgenommen habe, fanden im Februar 2020 statt.


Der Geist des Wettkampfs schreckt wahrscheinlich alle ab, für die Sport schon in der Schule ein Schreckgespenst war. Für mich war Sport immer ein sehr positiver Bestandteil meines Lebens. Wettkampfgeist ist dabei ein Tüpfelchen auf dem i. Ja, genau dieses Tüpfelchen vermisse ich. Ich liebe meine Morgenläufe, bei denen ich durch Wald und Feld trabe. Manchmal auch Wettkampfatmosphäre zu schnuppern und in ihr davongetragen zu werden, das fehlt mir.


An virtuellen Läufen gibt es keinen Mangel, jedenfalls sehe ich viel Werbung dafür. Grundsätzlich finde ich die Idee prima: in Rom laufen, auf den Kilimandscharo oder von Marathon nach Athen, alles virtuell natürlich. Die Distanz darf man nach eigenem Geschmack gestalten, also in Etappen und irgendwo auf der Welt laufen, und am Ende gibt es eine Medaille.

Mich lockt das überhaupt nicht. Medaillen brauche ich nicht und einen Anreiz fürs Laufen auch nicht. Die echte Wettkampfsituation, die einen ins Ziel pusht, können virtuelle Läufe nicht erzeugen.


Das Leben geht auch ohne Wettkämpfe weiter. Wenn es wieder möglich ist, werde ich mir gelegentlich eine sportliche


Herausforderung gönnen.

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