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  • Ines Balcik

Erinnyen erinnern sich


Sprachwandel ist völlig in Ordnung, jahrelang habe ich im Sprachblog darüber gebloggt. Aber Aussprachewandel steht auf einem ganz anderen Blatt!


Es fing an mit einer einzelnen Beobachtung. Irgendein Podcast war es wahrscheinlich (Podcasts höre ich oft und gerne), in dem ich Doppel-r in »erinnern« hörte. Wie das so ist mit der Aufmerksamkeit: Nachdem ich einmal diese in meinen Ohren falsche Aussprache wahrgenommen hatte, begegnet sie mir gefühlt ständig und überall. Seitdem frage ich mich: Was ist mit dem Glottisschlag zwischen »er-« und »-innern« passiert, wo ist er geblieben?


Natürlich taucht das Phänomen nicht erst im Jahr 2021 auf und die Sachlage ist, wir ahnen es, nicht ganz einfach. Eine längere Diskussion zur richtigen, falschen, regionalen und hochdeutschen Aussprache von »erinnern« lässt sich im Wiktionary verfolgen.


Mein Sprachblog ist Geschichte und in diesem Blog schreibe ich, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Ich bleibe dabei, dass sich »er-rinnern« für mich grauslich falsch anhört und mich ansonsten die Sanft- und Langmut in Person *hüstel* –, an die grauslichen Erinnyen denken lässt. Alekto, Megaira, Tisiphone, wo seid ihr, wenn ich euch brauche?


Natürlich, jetzt fallen mir die Schuppen von den Ohren: Sie fühlen sich nicht angesprochen., denn Erinnyen kommen prima ohne glottal stop aus, wenn es um die Aussprache dieses Worts geht. Womit die Frage noch offen bleibt, woran sich Erinnyen erinnern.

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